Mein Kind spricht wenig: was normal ist und wann abklären
Kaum etwas wird zwischen Familien so oft verglichen wie die ersten Wörter. Die normale Spannbreite ist riesig — und zugleich gibt es konkrete Zeichen, die man unabhängig vom Alter nicht übergehen sollte. Beides zu trennen erspart unnötige Sorge und unnötiges Warten.
Wann fangen die meisten Kinder an zu sprechen?
Um den zwölften Monat kommen meist die ersten absichtsvollen Wörter, auch wenn sie schwer zu verstehen sind. Davor gibt es bereits Lallen mit Sprachmelodie, und das gehört zum selben Weg.
Mit etwa 18 Monaten sind es typischerweise eine Handvoll Wörter, die schnell mehr werden, dazu viel Verständigung über Gesten: zeigen, an der Hand ziehen, Dinge reichen. Gesten sind in diesem Alter genauso aussagekräftig wie Wörter.
Gegen 24 Monate erscheinen Zweiwortverbindungen: "mehr Wasser", "Papa nein". Diese Verbindung ist meist ein besserer Hinweis als die genaue Anzahl der Wörter.
Wann sollte man eine Fachperson hinzuziehen?
Manche Zeichen rechtfertigen eine Abklärung unabhängig vom Alter: wenn das Kind nicht auf seinen Namen reagiert, nicht zeigt, um etwas zu fordern oder zu teilen, bereits gekonnte Wörter verliert oder beim Ansprechen nicht ins Gesicht schaut.
Ebenso, wenn mit zwei Jahren keine zwei Wörter kombiniert werden oder die engste Familie kaum etwas versteht.
Abklären heißt nicht, dass etwas nicht stimmt. Eine frühe Einschätzung endet meist mit Entwarnung — und wenn nicht, ist der Spielraum umso größer, je früher begonnen wird.
Was hilft zu Hause wirklich?
Über das sprechen, was gerade passiert. Zu benennen, was das Kind ansieht oder tut, liefert Sprache direkt an der Erfahrung — so bleibt sie am besten haften.
Das Gesagte erweitert zurückgeben. Sagt das Kind "Wasser", sagen Sie "du möchtest mehr Wasser". Es geht nicht ums Korrigieren, sondern ums Ergänzen um ein Stück.
Und warten. Nach einer Frage still bis fünf zu zählen, gibt Zeit, etwas zu produzieren. Erwachsene füllen die Lücke meist, bevor das Kind überhaupt anfangen konnte.
Spricht es wenig oder ist es schwer zu verstehen?
Das sind zwei verschiedene Dinge. Ein Kind kann viele Wörter haben und sie undeutlich aussprechen, oder wenige, aber klare Wörter. Das eine betrifft das Sprechen, das andere die Sprache.
Als grobe Orientierung: Mit zwei Jahren versteht die Familie das meiste, mit etwa vier Jahren auch Außenstehende. Wenn das nicht zutrifft, ist eine Abklärung sinnvoll.
Im Zweifel notieren Sie eine Woche lang, was gesagt wird und wer es versteht. Diese Notizen sind in der Sprechstunde mehr wert als jeder Gesamteindruck.
Was tun, während man auf die Abklärung wartet?
Machen Sie weiter, was ohnehin gut läuft: vorlesen, singen, viel sprechen. Es braucht kein besonderes Material, und der Tag muss nicht zur Therapiestunde werden.
Reduzieren Sie Prüfungsfragen. "Was ist das?" immer wieder ermüdet; laut zu kommentieren, was Sie gemeinsam sehen, bringt mehr Sprache als Abfragen.
Und vermeiden Sie Vergleiche mit gleichaltrigen Kindern. Die normale Spanne ist mit zwei Jahren so breit, dass der Vergleich wenig aussagt und viel Kraft kostet.
Häufige Fragen
- Es versteht alles, spricht aber nicht. Ist das ein gutes Zeichen?
- Ein gutes Verständnis ist ein günstiger Befund, ersetzt aber die Abklärung nicht, wenn mit zwei Jahren keine Wörter kombiniert werden. Verstehen und Sprechen werden gemeinsam beurteilt.
- Verzögert Zweisprachigkeit das Sprechen?
- Mehrsprachigkeit verursacht keine Sprachentwicklungsstörung. Der Wortschatz verteilt sich auf zwei Sprachen, deshalb werden bei der Beurteilung beide zusammengezählt.
- Sollte der Schnuller weg?
- Dauerhafter Gebrauch über den Tag kann die Aussprache beeinflussen. Er ist selten die Ursache für wenig Wortschatz, aber ihn auf Mittagsschlaf und Nacht zu begrenzen ist sinnvoll.
Quellen
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Dies sind allgemeine Informationen zur Erziehung, keine medizinische Beratung und keine Entwicklungsdiagnose. Wenn Sie sich um die Entwicklung Ihres Kindes sorgen, sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder einer Fachstelle.
