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Wie viel Bildschirmzeit ist okay? Richtwerte nach Alter

Wenn Sie nach dem Einschalten eines Videos schon einmal ein schlechtes Gewissen hatten, hilft es, die Empfehlungen zu kennen. Sie sind klarer als gedacht und zugleich flexibler. Wie geschaut wird, wiegt schwerer als die Anzahl der Minuten.

Wie viele Stunden sind mit 2, 4 und 6 Jahren okay?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt vor dem zweiten Geburtstag keine Bildschirmzeit und zwischen zwei und vier Jahren höchstens eine Stunde am Tag. Die American Academy of Pediatrics (AAP) liegt ähnlich: vor 18 Monaten nichts außer Videotelefonaten, zwischen zwei und fünf rund eine Stunde.

Ab sechs Jahren nennt keine der beiden Stellen eine feste Zahl. Stattdessen soll die Nutzung Schlaf, Bewegung, Mahlzeiten und Familienzeit nicht verdrängen. Je älter das Kind, desto weniger zählt die Summe und desto mehr, was sie verdrängt.

Diese Zahlen sind eine Obergrenze, kein Ziel. Nach vierzig Minuten müssen keine zwanzig nachgeholt werden, und ein einzelner Nachmittag mit anderthalb Stunden hinterlässt keinen Schaden.

Was wiegt schwerer als die Anzahl der Minuten?

Erstens, was geschaut wird. Ein Video mit Schnitten im Sekundentakt und durchgehendem Ton lässt ein Kind bei gleicher Dauer deutlich aufgedrehter zurück als eine ruhig erzählte Geschichte.

Zweitens, ob allein geschaut wird. Zwei Bemerkungen einer erwachsenen Person genügen, damit der Bildschirm vom einseitigen Reiz zum Gesprächsstoff wird. "Warum weint der wohl?" verändert die ganze Sitzung.

Drittens, wann geschaut wird. Die Stunde vor dem Zubettgehen ist die ungünstigste: Licht und Aufregung zusammen verlängern das Einschlafen und bringen die ganze Nacht durcheinander.

Wie schreibt man Bildschirmregeln, die halten?

Regeln nach Minuten werden jeden Tag neu verhandelt. Regeln nach Situation nicht: "eine Folge nach dem Abendessen" oder "nur im Auto" ist für das Kind vorhersehbar und erspart den Erwachsenen die tägliche Entscheidung.

Legen Sie auch fest, wie es endet. Abruptes Ausschalten, weil die Zeit um ist, endet fast immer mit Tränen. Ein sichtbares Ende — "wenn das hier vorbei ist, machen wir aus" — macht den Abschluss deutlich leichter.

Und an anstrengenden Tagen wird es mehr sein als geplant. Das ist kein Scheitern der Regel, sondern ein müder Mensch. Am nächsten Tag zum Üblichen zurückzukehren, genügt.

Wie reduziert man, wenn es schon Gewohnheit ist?

Auf einen Schlag klappt es fast nie. Wer einem Kind mit zwei Stunden plötzlich dreißig Minuten anbietet, hinterlässt eine Lücke, die niemand zu füllen weiß — und diese Lücke kommt als Wutanfall zurück. Vor dem Wegnehmen sollte klar sein, was an die Stelle tritt.

Der leichteste erste Schritt ist nicht die Gesamtzeit, sondern ein klar begrenztes Zeitfenster: die Stunde vor dem Schlafen oder der Morgen vor dem Aufbruch. Auch wenn die Summe gleich bleibt, verändert sich der Tag des Kindes spürbar.

Danach kommt die Ankündigung. Zu Beginn sagen, dass danach Schluss ist, und wenige Minuten vor dem Ende noch einmal erinnern. Kinder wehren sich meist nicht dagegen, dass der Bildschirm ausgeht, sondern dagegen, dass er ohne Vorwarnung ausgeht.

Warum ist es nach dem Ausschalten schwieriger?

Wenn ein Kind direkt nach dem Ausschalten besonders gereizt ist, liegt der Verdacht schnell beim Bildschirm. Diese Reaktion entsteht aber meist dadurch, dass ein starker Reiz plötzlich wegfällt und das Kind sich ohne Hilfe neu regulieren muss. Erwachsenen geht es bei Unterbrechungen ähnlich.

Deshalb hilft eine Brücke zwischen Ausschalten und dem Nächsten: etwas trinken, gemeinsam aufräumen, eine kurze Bewegungseinheit. Direkt zu einer ruhigen Tätigkeit überzugehen, funktioniert schlechter, als den Körper einmal zu benutzen.

Wenn die Reaktion jedes Mal heftig ist und mit der Zeit nicht nachlässt, schauen Sie zuerst auf den Inhalt. Je schneller geschnitten und je lauter, desto härter fällt meist der Ausstieg.

Häufige Fragen

Wir überschreiten die Empfehlung fast täglich.
Ändern Sie zuerst Zeitfenster und Inhalt, nicht die Summe. Die Stunde vor dem Schlafen freizuhalten und ruhigere Formate zu wählen, wirkt schneller als Minuten zu streichen.
Zählen Videotelefonate mit?
Nicht im selben Sinn. Die Empfehlungen behandeln sie getrennt, weil dort ein Mensch in Echtzeit antwortet — genau das fehlt einem aufgezeichneten Video.
Ist ein Tablet schlechter als der Fernseher?
Entscheidender als das Gerät ist, ob jemand dabei ist und wie nah es an der Schlafenszeit liegt. Ein gemeinsam geschautes Tablet kann besser sein als ein nebenher laufender Fernseher.

Quellen

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